Die Mauer muss weg: Erhalt des Tacheles

Fotos von der 2. Demo zum Erhalt des Tacheles gibt es hier und den ganzen Fotostream auf flickr.

Zum zweiten Mal fand am 07.05.2011 eine Demo zum Erhalt des Künstlerhauses Tacheles in der Oranienburger Strasse in Berlin Mitte statt.

Zunächst wurden durch einige Indianer die bösen Geister  vertrieben, in Form von Hr. Wowereit und Frau Künast, die ja gerne Wowi, als regierenden Bürgermeister von Berlin, bei der nächsten Wahl ablösen möchte.
Beide waren nicht gekommen, obwohl die Initative zum Erhalt des Tacheles gerne ihre 100.000 Unterschriften zum Erhalt des Hauses überreichen wollten. Den Brief den zumindest Wowi bekommen hat, könnt ihr unten nachlesen.

Die Mauer muss weg
Ach ja die Mauer steht noch immer. Falls ihr Bilder davon sehen wollt lest meinen Blog Beitrag von der ersten Demo. Mauern haben in Berlin doch eine besondere Bedeutung. Aber Geld regiert die Welt. Mal sehen wie lange die restlichen Küsntler dem widerstehen können. Ich hoffe lange. Letzten Sommer immer wieder mal dort gewesen und sei nur auf ein Bier im „Garten“. Was ich unter dem Garten verstehe, könnt ihr hier auch als 360 Grad Panorama ansehen: 360° Panaorma Tacheles 



Der Brief der Künstler:

Sehr geehrter Herr Kultursenator, geehrter Herr Bürgermeister
Gerne möchte ich Sie zur nächsten „Die Mauer muss weg, die Stiftung muss her“ Demonstration vor dem Kunsthaus Tacheles am 07.05.2011 ab 14.00 Uhr einladen. Über einen Redebeitrag zu Ihrem „wohl wissend weiten Kulturbegriff“ würden sich die Künstler und Berliner freuen. Außerdem würden Ihnen das Tacheles bei dieser Gelegenheit gerne über 110 000 Unterschriften zur Sicherung des Kunsthauses überreichen
.

Bezüglich Ihrer Aussagen im Tagesspiegel-Interview vom 15.04.2011 möchte ich höflich anfragen, ob Ihre Stellungnahme „Das Tacheles, so wie wir es einst ins Herz geschlossen haben, gibt es längst nicht mehr.“ meint, dass das Ende der Strandbar-Gastronomie inkl. Ballermann und Pub Crawling ein großer Verlust für das Image des Tacheles sei?
Das Kunsthaus Tacheles hat mit dieser Weiterentwicklung weniger Probleme, die Dokumentation der vergangen 10 Jahre zeigt, wie stark der Kunstbetrieb in den Herzen der Stadt, der KünstlerInnen und der internationalen Kunstszene verankert ist.

Weiter zu Ihrer grandiosen Idee eine „Käseglocke“ über die Brache zu stülpen. Bis heute haben wir immer für eine Entwicklung des Areals argumentiert, in gutem naiven Glauben vertrauten wir dem kooperativen Ansatz des Investors Anno August Jagdfeld und haben konstruktiv über 10 Jahre unseren Beitrag geleistet. Leider hat der Investor versagt und die Entwicklung des Quartiers am Tacheles fand nicht statt, gegen unseren ausdrücklichen Wunsch. Obwohl wir anderer Meinung sind und einer Entwicklung in keiner Weise entgegenstehen, ist die Idee einer Konservierung der Brache sehr gut.

Frei nach der These „die Zeit schreitet voran, nur der Raum lungert herum“ (Zitat: Dr.Phil.Peter Riedelsperger) schlage ich folgende Architektur vor, denn eine „echte“ Käseglocke wäre dann doch zu schlicht.

Eine transparente Baumasse bedeckt auf fünf Geschossen das ganze Gelände, ist durchlässig und begehbar, hat aber keinerlei Nutzflächen. Nur Wege ohne Ziele, durchsichtig an Decke und Boden. Frei schwebend durchquert der Besucher den Raum ohne Wohnen, Gewerbe und Büros. Eine radikale Durchwegung. Somit wäre wenigstens eine Brache in der Mitte Berlins konserviert und Ihr Vorschlag ein großer städtebaulich-philosophischer Wurf. Dieser „Leerstand“ wäre wenigstens inhaltlich zu rechtfertigen, ganz im Gegensatz zu steigenden Mieten und billiger Wegwerfarchitektur trotz leer stehender Stadt.

Auch möchte ich bezüglich Ihrer Aussage „Ich wünsche mir mehr Mut von Architekten“ eine Lanze für die Kollegen aus der Architektur brechen. Sie sind nicht schuld an der städtebaulichen Situation der Stadt. Die Schuldigen sind bei den Investoren, den Bauherren und der Stadtpolitik zu suchen. Die in Berlin arbeitenden Architekten wären nur zu gerne bereit, und vor allem mehr als fähig dazu, eine nachhaltige und moderne Stadt zu bauen. Alleine das Diktat der Renditesteigerung ohne jegliche politische Kontrolle und Regelung verhindert dies.

Es wäre vielmehr Ihr Mut zu, „einem Mehr an gerechter Politik“, der das Bild der Stadt sofort verändern könnte.
Beste Grüße

Martin Reiter
(Kunsthaus Tacheles)

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